22. Juni 2016

Lost in translation or lost in cultural expectation!?

Es ist nicht wichtig, wie gut wir eine Sprache sprechen, sondern wie wir sie sprechen! Auch hier gilt: der Ton macht die Musik. Anders als bei der Kommunikation innerhalb unserer Landesgrenzen – siehe Herausforderungen des Sender-Empfänger-Modells – kommen in dem „internationalen Sender-Empfänger-Modell“ die unterschiedliche Codifizierung, die dahinterliegenden Werte und somit auch die kulturellen Erwartungen des Empfängers hinzu.(Webinar mit S. Kilian)

Mund_OhrDie daraus resultierenden Missverständnisse schaffen täglich enorme Krisen und Konflikte. So mancher Deal ist – nach guten telefonischen und schriftlichen Vorbereitungen – im persönlichen Abschluss zu Nichte geworden.

Wie kommunizieren wir in unserer deutschen Kultur und wie andere?

Wir sind sehr funktional und direkt  (ähnlich wie Finnen, Esten und Israelis).  Sicherlich liegt die Erklärung in der historischen Entwicklung – nicht in unserer jüngsten Vergangenheit – sondern in der Knappheit, der Kargheit, den fehlenden Ressourcen. Daraus ergibt sich: Zeit ist Geld. Also „komm zum Punkt“, „mach schnell“, „rede nicht um den heißen Brei“. Dies sind wesentliche Kommunikationsvorgaben wie gesagt, bei uns.

Anders ist es in fast allen anderen Nationen und Kulturen. Hier wird die Botschaft eingepackt: „I`m so terribly sorry, he is not in the office…“, „Sie sprechen so ein schönes Deutsch, ich könnte Ihnen stundenlang zuhören…“. Irgendwie komisch und übertrieben für unsere Ohren. Ja und meist gestalten wir unseren englischen Vortrag, unser Gespräch über die Inhalte, die gesagt werden sollen und nicht anhand der Erwartungshaltung unseres Zuhörers. Wahr ist nicht, was der Sender sendet, sondern das, was der Empfänger versteht! Und jede Kultur hat ihre eigene Erwartungshaltung.

Wir geben Gründe und suchen nach Argumenten und vergessen, dass dies in einigen Kulturen unwichtig ist. In Japan entscheidet das Top-Management lieber aus dem Bauch heraus, es ist eine Qualität! Und selbst Coca-Cola ist mit der Werbung „No reason: Coca Cola“ seit mehr als 20 Jahren erfolgreich im japanischen Markt präsent.

Gehirngerecht im In- und Ausland kommunizieren:

Seit den 90ziger Jahren können wir anhand der MRTs feststellen, welche Gehirnareale gerade aktiv sind.

Wir kennen z.B. das Reptiliengehirn bzw. Stammhirn, in dem die Automatismen wie Essen, Flucht, Kampf, Totstellen und Fortpflanzung gesteuert werden. Völlig emotionslos, keine Empathie und nicht lernfähig. Diese unreflektierte Gehirnarbeit entspricht der einer automatischen Schaltzentrale.

Das limbische System ist die Funktionseinheit im Gehirn, die wie ein Filter agiert und Emotionen verarbeitet. Ihr werden auch intellektuelle Fähigkeiten zugesprochen. Dieses System ist wie ein Blatt im Winde und überprüft ständig, ob es irgendwo Gefahr gibt, und sobald die Situation als unangenehm empfunden wird (Assessment vom limbischen System) wird die Neo-Cortex, unsere rationale Entscheidungszentrale blockiert, d.h. es wird Adrenalin ausgestoßen, das Denken verlangsamt oder total vernebelt.

Ich kenne Unternehmen, die haben dies leidvoll erfahren müssen. Der Distributionsvertrag mit den Japanern war durch alle rechtlichen Berater gegangen und von beiden Seiten hin und her geschickt worden, man traf sich zur Unterzeichnung in Deutschland: Die japanischen Geschäftspartner nicht ganz in ihrer Komfortzone (Jet-lag, fremdes Essen, andere Kultur, anderes Verhalten der Gastgeber); dadurch hat das limbische System hat dies als eine „feindliche“ Situation gefiltert und viel Adrenalin (biochemischer Prozess) ausgeschüttet und es ist kein Vertrag – und zwar nie wieder – zu Stande gekommen.

Lost in cultural expectations!

Die kulturelle Herausforderung braucht eine gehirngerechte Kommunikation, d.h. die Filter im limbischen System müssen Vertrauen, Sicherheit und Willkommen sein erkennen, so dass das rationale System sicher Entscheidungen treffen kann und nicht blockiert oder vernebelt wird.

Also lieber etwas „dicker“ auftragen (für uns Deutsche), als den anderen in seinen Erwartungen zu enttäuschen. Vielleicht haben Sie Lust, aus der Komfortzone im Urlaub etwas zu üben. Und dann starten Sie danach im Berufsalltag wieder mit der international gehirngerechten Kommunikation durch.

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