15. Februar 2018

Working out Loud: wieder alter Wein in neuen Schläuchen?

Im Blitzgewitter ständig neuer Begriffe, Buzzwörter und Hypes kann es leicht passieren, dass Ansätze mit gutem Potential untergehen. Manchmal ereilt uns das Gefühl, dass wir es nicht mehr hören können oder wollen! Zuviel von „Agile Management“, „Design Thinking“, „SCRUM“ oder „Working out Loud”. Ist es wieder alter Wein in neuen Schläuchen?

Seit einiger Zeit wird „Working out loud“ als der wichtigste Social Media Trend bezeichnet. Wobei „Social“ hier verstanden wird als „unterstützende und cross-funktionale Zusammenarbeit, Bereitschaft zum Teilen, Offenheit für Feedback, mehr geben als nehmen“.

„Working out Loud“ wurde von John Stepper, langjähriger Manager der Deutschen Bank in New York, entwickelt und in einfach verständlichen Guidelines in seinem gleichnamigen Buch publiziert. Wie viele, so habe auch ich im Selbstversuch diese Methode ausprobiert und möchte meine Erfahrungen zum Ablauf und zu Nachhaltigkeit teilen. Über die Inhalte herrscht in jedem Circle strenge Vertraulichkeit.

Wie läuft der Prozess ab?

Man findet 4 – 5 Gleichgesinnte, sei es über die „WOL“-Facebook-Seite oder auf der unternehmenseigenen Plattform. Auf der „Working out loud“ website ist das 12-wöchige Lernprogramm beschrieben, einschl. der Leitfäden für die Moderation und die Inhalte. Diese sind frei verfügbar in unterschiedlichen Sprachen, auch auf Deutsch.

Was bringt das persönliche Wissensmanagement?

Der Austausch und das Feedback zur Zielerreichung stehen im Vordergrund. Jedes WOL Mitglied arbeitet an seinem eigenen Ziel mit seiner Gruppe von 4 – 5 Personen, die sich möglichst diverse zusammenfinden.

Was bringt es für jeden einzelnen?

  • Besserer Umgang mit den technischen Medien in einem geschützten Rahmen
  • Gestalten und entwickeln eines tragfähigen Netzwerkes
  • Sichtbarmachen der eigenen Arbeit und Anstrengungen
  • Entwickeln und Teilen der eigenen Kompetenzen
  • Selbstorganisation, Motivation und höheres Engagement

Wie gestalten sich die Meetings?

Die meisten Gruppen treffen sich im virtuellen Raum. So kann jeder den Umgang mit unterschiedlichen elektronischen Kommunikationsmedien, Dokumentationsmöglichkeiten wie auch Twitter, Facebook, LinkedIn, Xing etc. kennenlernen und nutzen.

Die Gruppe bestimmt die gemeinsame Technik, die Uhrzeit, die Moderation und was vor, während und nach den Circle Treffen bearbeitet wird.

So nach und nach entstehen gute persönliche Beziehungen, die durch Weiterempfehlungen und neue Kontakte erweitert und vertieft werden. Es ergeben sich neue Vernetzungen, Initiativen und Innovationen.

Was haben die Organisationen davon?

Auch in den großen DAX oder MDAX Unternehmen hat es mit einer kleinen Gruppe der „early adopters“ begonnen. Die Herausforderungen der digitalen Transformation, der anstehenden Change Projekte machen cross-funktionale, schnelle Entscheidungen erforderlich. Hierarchien, Silos, Grenzen stehen im Widerspruch zu Lean Management, SCRUM sowie kollegiales Leadership bzw. Führen auf Augenhöhe.

WOL schafft eine höhere Vernetzung, Sichtbarkeit der Talente, der Kompetenzen sowie des vorhandenen Wissens im Unternehmen, es entwickelt sich eine selbstorganisierte Organisation und dadurch Innovationen und nachhaltige Vernetzungen.

Ist es messbar? Auf jeden Fall zahlt es in die Employerbrand ein, schafft eine höhere Mitarbeiter-Bindung und Engagement und lässt interne Talente sichtbar werden.

WOL ist eine Methode des selbstorganisierten Lernens und somit ein wichtiger Baustein in der Organisationsentwicklung. Probieren Sie es einfach aus! Ich habe bisher nur begeisterte User getroffen und gehöre selbst dazu.

Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen, starten Sie mit einem Thema, einem Ziel, das Sie schon lange beleuchten bzw. erreichen wollten.

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