25. Mai 2018

Zusammenarbeit auf Augenhöhe! Und alles ist gut?

… Augenhöhe scheint für viele der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Doch was heißt Zusammenarbeit auf Augenhöhe nun genau im Arbeitsalltag? Und ist es wirklich so einfach?

Der Begriff ist in aller Munde: Wenn wir „Augenhöhe“ auf google eingeben kommen ca. 7,6 Millionen Aufrufe und scheint irgendwie mit den Beziehungen zwischen Menschen zu tun zu haben.. Also nichts Neues, oder?

Sich auf Augenhöhe begegnen: ein Idealbild fernab jeder Realität?

Bei meinen Recherchen und Interviews für mein Buch „Global Management: Ein Tanz mit den Eisbergen…“, habe ich den Begriff der „Anders-artig-keit“ zerpflückt. Menschen, die auf andere „Art artig sind“. Das beginnt bei den unterschiedlichen Persönlichkeits-Typologien, „schau mal, der Erbsenzähler“, und geht weiter mit den nationalen Prägungen: „die bier-ernsten Deutschen“, „die lauten Chinesen“, „das Macho-Gehabe der Spanier“ und, und, und.

Zur Sensibilisierung der möglichen „Überheblichkeitsfallen“ beginne ich in meinen interkulturellen Seminaren mit der Übung „Gruppen zu denen ich gehöre bzw. nicht gehöre“ und oh Wunder, die Eigenschaften der eigenen Zugehörigkeit und Identität werden durchgehend positiver eingestuft. Wir begeben uns somit in den Hochstatus, stellen uns sozusagen über die anderen. Unser Wert ist höher. Glauben wir!

Je nach Erziehung oder Sozialisation haben wir aber auch gelernt, dass z.B. „Maskulinität“ oder das „hohe Alter“ wichtiger oder Hierarchie-Positionen wertvoller sind. Das Zusammenleben der Generationen wurde in der Vergangenheit durch diese „Bewertungen“ geprägt, Respekt vor dem Lehrer, den Großeltern, dem Chef und wir begeben uns dadurch oftmals unbewusst in einen Tiefstatus, d.h. wir machen uns klein!

Und jetzt sollen wir das ändern? In uns klingt die mahnende Stimme: Das musst Du hinbekommen! Du bist erwachsen!

Wenn alles glatt läuft, geht´s relativ problemlos. Doch beim ersten Konflikt tauchen rasch Spannungen und Irritationen auf, und wir fallen in das eine oder andere „programmierte“ Extrem. Hier einige Spielwiesen:

  • Demographie, d.h. Jung und Alt, evtl. bis zu 4 verschiedene Generationen im eigenen Team
  • Geschlecht, z.B. eine junge Abteilungsleiterin führt Mitarbeiter im Alter ihrer Eltern
  • Nationalität und Religion, Teams sind bunt zusammengesetzt und nicht jeder ist Muttersprachler und glaubt sowieso, dass seine Zugehörigkeit die Beste ist (s.o.)
  • Status, unterschiedlicher sozialer und kultureller Hintergrund, höherer Bildungsabschluss z.B. bei jüngeren Kollegen, lange Berufserfahrung bei den älteren
  • Rollenbilder in der Hierarchie, Matrix-Organisation, Lean Management, agiles Projektmanagement mit fixen oder wechselnden Rollen auf unterschiedlichen Ebenen
  • Zugehörigkeit, z.B. Arbeitsantritt oder Unternehmensfusionen/-übernahmen, Vertragssituation, festangestellte oder Interims-Mitarbeiter, Dauer der Betriebszugehörigkeit

Doch unsere Gesellschaft wandelt sich und baut Hierarchien ab und immer mehr Menschen erkennen, dass es andere Wege gibt, Konflikte zu lösen und Innovationen voranzutreiben, als durch Machtpositionen. Wir wissen, dass Lösungen, die verschiedene Erfahrungen, Perspektiven und Bedürfnisse berücksichtigen, nachhaltiger sind. Wenn Beziehungen auf Augenhöhe gelebt werden, entsteht mehr Kontakt, ein tieferes Verständnis, Vertrauen und Innovationen werden möglich.

Doch dieser Weg auf Augenhöhe ist nicht einfach. Wir müssen ihn täglich üben: Komplexität aushalten, zuhören, als Führungskraft beraten und coachen, als Kollege den anderen unterstützen und gemeinsam besser werden.

Augenhöhe setzt Reife voraus: Was kann jeder tun?

Es bedeutet zum einen, selbstbewusst die eigenen Interessen zu vertreten, unabhängig von sozialem oder hierarchischem Status unseres Gegenübers. Offen sein für Neues und den anderen als ebenbürtigen Gesprächspartner wahrnehmen. Keiner ist wichtiger bzw. über- oder unterlegen. Begegnung auf Augenhöhe ist die Basis, etwas Gemeinsames, noch Größeres zu schaffen.

Instrumente, die bei den Lernschritten unterstützen?

  • Selbstreflexion: meine inneren Überzeugungen, die mein Verhalten im Außen steuern. Hier ist die Arbeit mit Seminarschauspielern im Coaching und im Führungskräftetraining die Königsdisziplin!
  • Führungskraft als Coach: durch Fragetechnik Mitarbeiter zur Selbstverantwortung und -steuerung entwickeln
  • Mentoring und Reverse Mentoring: z.B. im Generationen-Wechsel kann voneinander gelernt werden
  • Working out Loud: zum Aufbau tragfähiger Beziehungen, Peer-Unterstützung zur Erreichung der eigenen Ziele
  • Menschenkenntnis: Interesse an anderen? Was brauchen Sie? Unterschiedliche Erwartungen der Generationen, usw.

Gerne können wir gemeinsam überlegen, diese Entwicklungsschritte zu planen.

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