8. Mai 2018

Vom Funktionieren zum Gestalten!

Wenn ich meine Familien-Geschichte anschaue, haben meine Vorfahren sich für eher für Rebellion, Rückzug oder quergebürstet-sein entschieden, wenn sie nicht gestalten konnten. Sie wollten nicht einfach nur funktionieren.

Über viele Wege habe ich gelernt, dass ich verhandeln, Vorschläge machen, Türen einrennen kann, wenn ich mitgestalten will. Manchmal muss ich auch die Türe schließen und mir ein neues Portal suchen also gestalten statt zu funktionieren!

Wir wissen: wenn man gut funktioniert, und in seinem Job nach den Regeln der Organisation erfolgreich wird, ist das eine großartige Sache. Viele streben danach, und für  viele, deren Ziele in Zahlen, Daten, Fakten ausgedrückt sind, bedeutet dies Erfolg, ein stattliches Gehalt, Bonuszahlungen, Anerkennung! …und trotzdem haben einige das Gefühl der Unzufriedenheit. Wie kann das sein?

Warum ist das so? Eingebettet in enge Strukturen, fixe Richtlinien und umgeben von autoritären Führungskräften ist der eigene Gestaltungsraum oft sehr eng und klein. Solange Führungskräfte überzeugt sind, dass die Mitarbeiter nur wegen des „Pay Checks“ am Ende der Woche oder des Monats kommen, tauschen Sie Arbeitszeit gegen Geld. Damit wird der Mensch mit seinem gesamten Potential nicht gesehen und nicht entwickelt. Die Strukturen sind dann unglaublich eng und in der Prozessorganisation funktionieren Menschen und Maschinen gemeinsam.

Ich habe viele Jahre als Führungskraft in Organisationen gearbeitet, als Interims Managerin in einem Telekommunikationsanbieter den Privatkundenvertrieb mit bis zu 1.000 Mitarbeitenden geleitet und hatte immer das Gefühl eine Funktionierende zu sein. Der Druck, die Gefahr etwas falsch zu machen war omnipräsent und damit ging auch die Freude und der Spaß verloren etwas mitgestalten zu können.

Einige Unternehmen in Spanien, Deutschland und Österreich habe ich ausprobiert, letztlich waren sich die Organisationen sowie die Strukturen sehr ähnlich. In wenigen Projekten habe ich selbst Führung auf Augenhöhe ausprobieren können, doch sobald die Aufgabe in die Linienfunktion überging, galt wieder die Hierarchie! Was letztlich entmutigen und krank machen kann. Meine ursprüngliche Unzufriedenheit führte zu einem Wendepunkt.

Meine tiefste Überzeugung ist, dass Menschen ihre Potentiale entfalten und in der Organisation mitgestalten wollen. Sie möchten gesehen, respektiert und geschätzt werden. Das Zauberwort heißt für mich: Augenhöhe!

Regard tendre               © Naty Strawberry – Fotolia.com

Hier liegen für viele Unternehmen die großen Herausforderungen: Kulturveränderungen, Gender, Generationen und Nationalitäten-Mix im Team, laterale Führung, Globalisierung und Digitalisierung… doch wo sind die Vorbilder für Augenhöhe, wo sind die, die Gestaltung zulassen?

Persönliche Veränderungen brauchen Bewusstheit, Entschlossenheit und viel, viel Praxis. Und immer wieder Feedback und Reflexion.

Zwei Methoden, die ich selbst nutze bzw. als Methode anbiete, möchte ich kurz vorstellen:

  1. Die Arbeit mit Seminarschauspielern – hier kann in einem Training oder Coaching der Fallbringer über einen 3-stufigen Prozess sein eigenes Verhalten erleben und gewünschte Veränderungen einüben.
  2. Working out Loud (s. vorherigen Blog Beitrag) – ein durch Peers begleiteter Zielerreichungsprozess über 12 Wochen, in dem 5 Hauptelemente immer wieder geübt und gelebt werden: Relationships, Generosity, Visible work, Purposeful discovery, Growth mindset.

67_wolIn beiden Methoden können eigene Entwicklungsschritte selbst gestaltet und bestimmt werden. Und das ist eine Herausforderung, ermöglicht persönliches Wachstum, macht Spaß und gibt Freude! Und so kann Lernen auch lebenslang gestaltet werden.

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