25. November 2018

Was hat das traditionelle Sankt Martin Fest mit unserer modernen, komplexen, agilen Welt zu tun?

Es ist ein Spätnachmittag im November, und ich freue mich auf mein Kundengespräch. Die gesamte Gebäude- und Büro-Architektur ist offen und einladend. Mitarbeiter und Führungskräfte teilen sich Schreibtische und Büros … und plötzlich hören wir süße Stimmchen. Die Firmen-Kita-Kinder sind mit ihren bunten Laternen vom Sankt Martins Umzug zurück. Riecht es nicht auch ein wenig nach Glühwein? Die großzügige, moderne Lobby, die Büros werden heute von einer anderen Zielgruppe fröhlich benutzt. Und wir erinnern uns daran, dass es bei diesem Fest darum geht es, dem heiligen Sankt Martin zu huldigen – der nach einer überlieferten Legende – als 15jähriger Soldat seinen einzigen Mantel mit einem Bettler teilt… und dafür von einigen seiner Kollegen ausgelacht wird. Wäre es ihm heute anders ergangen?

Teilen ist wirklich nichts Neues. Heute bieten neben dem klassischen Car-Sharing auch Automobilhersteller innovative Sharing-Konzepte an. Das funktioniert auch für Kleider, Werkzeuge, Mähmaschinen, Wohnungen u.v.m..

Doch geht es nicht auch darum, geistiges Eigentum zu teilen, Wissen transparent zu machen, miteinander zu denken und möglichst vielen zur Verfügung zu stellen? War es früher normal, Ideen zu horten nach dem Motto „Wissen ist Macht“, so scheint sich dieses Paradigma zu verabschieden: wir wissen, wir sollten unser Wissen teilen!

Und wie klingt das in unserer „digitalen“, „agilen“ und ein bisschen „disruptiven“ Welt? Es gibt keine Vorstandsansprache, und wahrscheinlich auch keine Weihnachtsfeier, ohne die Beschwörung oder Mahnung dieser Dreifaltigkeit. Wir haben gelernt, dass Wiederholung wichtig ist, doch erst muss es für alle klar sein, was es für den Einzelnen und die Organisation bedeutet, damit unser Mantra fruchtet.

Neu ist: Wir brauchen vor allem Durchlässigkeit, Silo- und Hierarchie-Abbau, Zusammenarbeit auf Augenhöhe, unternehmensweiten Informations- und Wissensaustausch. Doch wie kann dies in der schnellen, komplexen Arbeitswelt passieren? Wie können Gender-, Demografie-Gräben, verschiedene Unternehmenskulturen, Nationalitäten, sprich das gesamte Spektrum an Diversity nachhaltig überbrückt und überwunden werden? Wie kann die „Digitalisierung“ für die Mitarbeiter verständlich werden?

Hier drei wesentliche Aspekte, um Wissen zu teilen, um Vertrauen aufzubauen:

Es geht um die Zukunft, sowohl des Unternehmens wie auch die der Mitarbeiter. Der Haken an der Sache ist: es braucht Zeit; Zeit, um Vertrauen aufzubauen und um Wissen zu teilen! Vertrauen in die Organisation, in die Führungskräfte und die Kollegen. Zeit und Raum, um Engagement, Agilität und Innovationen zu schaffen. Also, gemeinsam schneller fit für die Zukunft zu werden. Welchen Fragen müssen wir uns stellen?

Ist die Organisation fit für die Zukunft? Und das ist nicht nur das Großraumbüro, das Poolfahrzeug, die Kaffeemaschine und flexible Arbeitszeit. Wie wird im Unternehmen kommuniziert? Versteht jeder die Zielrichtung, die Marktsituation, sind die Kommunikationswege transparent und auf Augenhöhe. Welche digitalen Plattformen (ESN), eine Art Firmen-Facebook, werden genutzt, wie unterstützt und sponsort das Top-Management neue Ideen, partizipiert in Diskussionen, lädt Mitarbeiter aller Ebenen ein, sich einzubringen und geht als Vorbild voran, ist erreichbar und postet zu den entsprechenden Themen.

Sind die Teams fit für die Zukunft? Wie funktionieren Zusammenarbeit und Unterstützung der unterschiedlichen Teams? Gibt es Job-Sharing, Ist es jedem klar, dass gutes, respektvolles Miteinander, gegenseitige Hilfestellung wichtig sind, um gemeinsam am Markt zu bestehen? Wir hören immer „Silo-Abbau“, „flache Hierarchien“, doch allein ein „open office“-Konzept ist zu wenig, um Silos aufzubrechen, Vertrauen aufzubauen, und Mut zu machen, das Wissen zu teilen.

Sind die Mitarbeiter fit für die Zukunft? Wie werden sie ermutigt, ihr Wissen einzubringen, um Hilfe zu bitten, und in dem eigenen Bereich sowie auch cross-funktional sich mit anderen Kollegen zu vernetzen, Ideen zu entwickeln, gemeinsam zu spinnen, um so mutig Innovationen zu gestalten. Welche Lernkonzepte gibt es, kann ich mich während der Arbeitszeit online weiterbilden, gibt es class-room-trainings, oder ein Buddy-Konzept? Wie steht es um die Fehlerkultur? Wenn Experimente zu Innovationen führen, ist Scheitern ein Bestandteil des kreativen Prozesses?

Immer mehr Unternehmen bieten Mentoring oder Reverse Mentoring Programme an. Senior Experten begleiten jüngere, neue Mitarbeiter. Immer häufiger wird auch das Wissen junger Studienabgänger und Quereinsteiger als Mentoren oder auch als temporäre interne Berater „angezapft“.

Working-out-Loud (seit 2016 erfolgreich bei Bosch, s. Blog Artikel) ist inzwischen in einigen Konzernen und im Mittelstand angekommen. Eine Methode, um Wissen auf informeller Ebene zu teilen, sich gegenseitig zu unterstützen, zu ermutigen und gemeinsam die Komplexität der VUCA-Welt zu meistern. Wichtige Werte im Working-out-Loud sind:

  • Growth Mind-Set
  • Generosity
  • Visible Work
  • Relationships
  • Purposeful Discovery

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ESN – Enterprise Social Networks – als digitale IT-Tools geben sie den Rahmen vor, so dass sich Mitarbeiter virtuell und global vernetzen, gemeinsam an Dokumenten arbeiten, sich treffen, und einen geschützten Raum gestalten können. So kann digitale Kompetenz, der Umgang mit den neuen Medien, gemeinsam, mutig erlernt werden.

Viele Organisationen und Mitarbeiter sind schon auf ihrer learning journey, schaffen ein Umfeld, indem experimentiert werden kann, tauschen sich intensiv aus, um voneinander zu lernen. Nach dem Motto: Let´s become better!

Mein Buch-Tipp zu diesem Thema: „Reinventing Organizations“ ein illustrierter Leitfaden sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit von Frederic Laloux.

Gerne möchten wir auch von Ihnen lernen. Was sind z.B. Ihre Erfahrungen mit dem gemeinsamen Spinnen und Lernen?

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